Mehr Sicherheit für Apps: Verbesserter Datenschutz bei US-Unternehmen

Der US-amerikanische Datenschutz ist in erster Linie dafür berühmt, dass er deutlich lascher als in Europa ausfällt und vielen Unternehmen wie Facebook, Google und Co genügend Spielraum bietet, fleißig Daten von den Benutzern zu sammeln. Besonders die modernen, weit verbreiteten Smartphone-Apps boten dabei bislang eine willkommene Möglichkeit umfangreiche Benutzerprofile zu erstellen. In Zukunft könnte sich das jedoch ändern.

Viele Apps zeichnen heimlich Daten auf

In der Vergangenheit kamen immer mehr Apps auch von renommierten Unternehmen in Umlauf, die heimlich die Daten ihrer Benutzer aufzeichneten, um beispielsweise aussagekräftige Werbeprofile erstellen zu können. Betroffen davon waren in erster Linie US-amerikanische Anwendungen, die allerdings auch von deutschen Handybesitzern genutzt wurden. Die kalifornische Generalstaatsanwältin Kamala Harris hat dem Gebaren nun einen Riegel vorgeschoben und den Unternehmen schärfere Datenschutzregeln in den USA auferlegt, wobei jedoch auch andere Länder von den neuen Richtlinien profitieren.

Nichts geschieht mehr hinter dem Rücken der Nutzer

Einer Pressemeldung des kalifornischen Staates zufolge, traf Staatsanwältin Harris eine Vereinbarung mit den größten App-Anbietern des Landes, dass die Datenschutzbestimmungen der Anwendungen zukünftig strengere Standards erfüllen müssen. Unter anderem gehört dazu die Aufklärung des Nutzers, welche Daten von dem jeweiligen Programm zu welchem Zweck gesammelt werden. IT-Giganten wie Apple, Google, Microsoft, RIM, Hewlett Packard und Amazon gaben klein bei und stimmten den neuen Bestimmungen zu.

Beschwerde über Datenschutzverletzung muss ohne Umwege möglich sein

Erst vor kurzem kam ans Licht, dass eine Anwendung des Onlinenetzwerkes „Path“ heimlich auf die Kontaktlisten des I-Phones Zugriff und die Daten an einen Server des Unternehmens übertrug. So etwas dürfe aber keineswegs ohne die Zustimmung des Nutzers geschehen und falls doch, müsse er über derartige Zustände die Möglichkeit zur Beschwerde haben. Entsprechend müssen die Anbieter zukünftig einen Kanal einrichten, der Nutzerbeschwerden über mangelnden Datenschutz ermöglicht. In einem halben Jahr soll ein erstes Resümee gezogen werden, wie gut die Unternehmen die Vorgaben bis dahin umgesetzt haben.

Der US-Datenschutz soll insgesamt verschärft werden

Wie das Weiße Haus bekannt gab, soll der Datenschutz künftig insgesamt strenger gehandhabt werden. Um dies umzusetzen ist eine „Consumer Pivacy Bill of Rights“, also eine Grundrechte-Charta für den Datenschutz geplant. Im Vordergrund des neuen Datenschutzes soll den Nutzern die Möglichkeit gegeben werden, über das bloße Drücken eines Knopfes auf der Tastatur eine Art Datenschutz-Modus zu aktivieren. Ist dieser Modus aktiv, so ist es den Unternehmen untersagt, die Online-Aktivitäten des Nutzers weiter zu verfolgen. Insgesamt umfasst die neue Bill of Rights jedoch sieben Punkte, die das Surfen im Internet wieder ein Stück privater machen sollen. Hier ein Überblick:

Punkt 1 – Individuelle Kontrolle

Die Nutzer haben das Recht selbst über das Sammeln von Daten und deren Verwendungszweck zu bestimmen.

Punkt 2 – Transparenz

Die Nutzer haben das Recht auf verständliche und leicht zugängliche Informationen, die den Datenschutz betreffen.

Punkt 3 – Respekt gegenüber dem Kontext

Daten dürfen nur in dem Kontext gesammelt, verwendet und veröffentlicht werden, indem sie von den Nutzern auch angegeben wurden.

Punkt 4 – Sicherheit

Die Nutzer haben das Recht auf einen sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit ihren Daten.

Punkt 5 – Zugang und Genauigkeit

Der Nutzer hat das Recht auf seine gesammelten Daten zuzugreifen und diese gegebenenfalls zu korrigieren. Dies muss auf eine Weise möglich sein, die sensible Daten nicht in ihrer Sicherheit gefährdet.

Punkt 6 – Fokussiertes Sammeln

Nutzer haben das Recht auf vernünftige Grenzen beim Datensammeln der Unternehmen

Punkt 7 – Haftung

Nutzer haben ein Recht darauf, dass die Unternehmen angemessene Maßnahmen ergreifen, um den verantwortungsvollen Umgang mit den Daten gemäß den Datenschutzbestimmungen zu gewährleisten.

Obama fordert zügig klare Regeln

Präsident Barack Obama sieht dringenden Handlungsbedarf in Angelegenheiten des Datenschutzes. So sei ein Vertrauen der Nutzer in ihre Online-Sicherheit unabdingbare Voraussetzung für ein weiteres Wachstum der digitalen Wirtschaft. Bislang haben Microsoft, Yahoo, Google und AOL die Bill of Rights akzeptiert, weitere sollen folgen. Auch deutsche Datenschützer werden die Änderungen der US-amerikanischen Richtlinien begrüßen, besonders nach der heftigen Auseinandersetzung mit dem Internet-Giganten Facebook in der Vergangenheit.

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