Ottfried Fischer der Bulle von Tölz

In letzter Zeit ist der 3-Zentner-Mann eher durch seine Ehekrise in den Boulevardblättern präsent, doch was das Beziehungsdrama für die Öffentlichkeit so interessant macht, ist ja weniger die Tragikkomödie mit ihren vielen Wendungen als vielmehr die Person Ottfried Fischer. Ein Grund, sich den Werdegang des populären Bayern einmal genauer anzusehen.

1953 im niederbayrischen Landkreis Passau geboren, wuchs Ottfried Fischer auf dem Einödhof seines Vaters in Bayern auf. Der allerdings war Westfale, den es nach Bayern verschlagen hatte. Als einziger Borussia-Dortmund-Fan der Schule und Sohn eines Preußen hat Fischer früh gelernt, gegen den Strom zu schwimmen. Zu Hause gab es keinen Fernseher, aber viele Bücher. Er besuchte das Internat in Passau, wo er auch sein Abitur machte. Danach tat er seinem Vater den Gefallen, ein Jurastudium zu beginnen. Das Studium der Rechte brach er jedoch nach einigen Semestern ab, weil die Bühne lockte.

Diesem Ruf folgend verwirklichte er sich seit 1976 als Schauspieler und Kabarettist. Er gründete mit einigen Freunden das Münchner Hinterhoftheater, und 1983 taucht er erstmals im Fernsehen auf, in der Werner Schneyder-Show »Meine Gäste und ich«. Im gleichen Jahr spielt er auch eine erste Rolle in einem Spielfilm.

Langsam kam die Karriere des Multitalents richtig in Schwung und war nun nicht mehr zu stoppen – kein Wunder, bei der Wucht der schieren Masse.  Engagements in verschiedenen Filmen folgten, 1985 brauste er als »Sir Quickly« auf dem Mofa durch die 6-teilige Kultserie des Bayerischen Rundfunks »Irgendwie und Sowieso«, 1986 erhält er sogar den Deutschen Kleinkunstpreis für seine Kabarettauftritte.

1987 führt er als Franz Josef Strauß ein Telefonat mit dem österreichischen Bundespräsidenten Kurt Waldheim, das bis heute legendär ist.

Sein erstes Soloprogramm als Kabarettist startete er 1989, der Titel bezieht sich auch auf seine Leibesfülle: »Schwer ist leicht was«. Otfried Fischer weiß, dass sein Umfang auch sein Kapital ist. In einem Interview sagt er: „Ich bin froh, dass ich mit meiner Breite aus den Einheitsgesichtern im Fernsehen heraussteche. Mit mir können sich die Leute viel besser identifizieren als mit einem Schönling.“

Dieses Gesicht, das aus der Masse heraus sticht, sieht man nun immer öfter auf dem Bildschirm und auf der Leinwand. 1995 startet »Ottis Schlachthof«, wo Fischer jeden Monat bis heute Kabarettkünstler präsentiert und so der Szene verbunden bleibt – auch wenn er selbst kaum noch Zeit dazu findet, ein neues Programm zu schreiben.

1996 schließlich die Rolle, die ihm auf den Leib geschrieben ist: »Der Bulle von Tölz« betritt die Fernsehlandschaft. Und zwar so erfolgreich, dass die Serie mittlerweile ins zehnte Jahr geht. Otti ist der Bulle von Tölz. Daran ändert auch der Erfolg der Nachfolgeserien »Pfundskerl« und »Pfarrer Braun« nichts. Seine Rolle als Benno Berghammer prägt das Bild von Ottfried Fischer. Der gutmütige, bibelfeste und unerschrockene Kommissar, der bei seiner Mutter wohnt und es in zehn Jahren nicht geschafft hat, eine Serien-Lebensgefährtin für sich zu begeistern, ist zum Alter Ego des Künstlers geworden.

Privat sah das bisher ganz anders aus. Seine Ehe mit der Journalistin Renate Fischer, aus der zwei Töchter hervorgingen, galt fast 16 Jahre lang als vorbildlich. Wie sich das Privatleben des beliebten und beleibten Künstlers weiterentwickeln wird, weiß momentan niemand. Doch der Erfolg der neuen »Bullen«-Folgen ist schon jetzt so gut wie sicher.

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