Kulinarische Urlaubserinnerungen an Spanien

Als das herrliche wunderschöne stolze Spanien noch ein „Land vor unserer Zeit war“, pflegte ich dort wenigstens einmal im Jahr meinen Urlaub zu machen. Dabei war mir allerdings nicht daran gelegen, ein paar Flip Flops mehr auf der abgelatschten Fußmatte des Massentourismus zu sein. Ich hatte vielmehr den Anspruch, Land und Leute kennenzulernen, ohne selbigen dabei auf den Wecker zu fallen. Was ich mit dieser Intention erleben durfte, legt ein beredtes Zeugnis nahezu unbegrenzter spanischer Gastfreundschaft ab. Und liefert gleichzeitig den leckeren Beweis dafür, dass echte Spanier auch dann umwerfend kochen können, wenn sie nach deutschen Maßstäben eigentlich gar keine Zutaten im Hause haben. Olé!

Tortilla Española

Bei einem kulturell motivierten Stadtbummel in Valencia kam ich mit einer feurigen Spanierin ins Gespräch, was nur deshalb möglich war, weil ihre englischen Sprachkenntnisse in etwa den meinen ebenbürtig waren. Sie erzählte mir viel über die Geschichte und die Sehenswürdigkeiten dieser wunderschönen Stadt, und ich fragte sie wissbegierig zu den spannenden historischen Daten aus, so gut es mir eben möglich war. Scheinbar hatte ich damit ihre Sympathie oder ihr Mitleid errungen; jedenfalls lud sie mich ein, am Abend bei ihr und ihrer Familie zu Gast zu sein. Mit größten Freuden nahm ich diese liebenswürdige Einladung an. Und der Abend bescherte mir nicht nur ein wunderbares Willkommen in einer spanischen Großfamilie, sondern auch eine rustikale Gaumenfreude namens Tortilla Española. Wer jemals diesen unverfälschten Genuss mit Zwiebeln, Knoblauch, Kartoffeln und Ei direkt aus der Pfanne genossen hat, der lässt jedes herkömmliche Bauernfrühstück für alle Zeiten stehen.

Spanisches Knoblauchhähnchen aus der Pfanne

Ein Bruder meiner Gönnerin bot mir liebenswürdigerweise an, meine Kenntnisse über die spanische Küche weiter zu vervollkommnen. Und so betrat ich Tags darauf in der Begleitung eines neu gewonnenen einheimischen Freundes eine spanische Kneipe in der historischen Altstadt, in die sich wahrscheinlich sonst kein Tourist verirrt. Dort wurde mit Kennerblick (und ohne Worte) eine Bestellung aufgegeben, die sich für immer in mein Gourmet-Gedächtnis eingraben sollte: Knoblauchhähnchen in frischem Olivenöl aus dem Ofen. Als ich die stattliche Menge an deftig gesottenen Knoblauchscheiben sah, lief mir natürlich sofort das Wasser im Mund zusammen. Aber ich hatte auch Bedenken, für die nächsten sieben Tage keinen gesellschaftlichen Kontakt mehr pflegen zu können. Lachend wurden mir diese Sorgen abgenommen, als mir der Koch sein Geheimnis verriet: Es muss ganz frischer grüner Knoblauch sein, und man muss vor dem Kochen die Keime sorgfältig und restlos entfernen. So bleibt der unvergleichliche mediterrane Geschmack nur während der Mahlzeit, nicht aber darüber hinaus präsent. Und tatsächlich – am nächsten Morgen hatte ich wirklich keine Knoblauchfahne. Jedenfalls habe ich keine gerümpften Nasen oder abfälligen gerunzelten Augenbrauen wahrgenommen.

Perfekte Liebe

Auch ein Besuch in einer Nachtbar stand auf dem lukullischen Programm. Dort bestellte man mir zu vorgerückter Stunde einen Cocktail mit dem verheißungsvollen Namen „Parfait d’Amour“, der sich als unwiderstehliche süße Versuchung entpuppen sollte. In meinem Glas befand sich eine sinnlich tief violette Flüssigkeit, in der eine grellrote Cocktailkirsche aufreizend und appetitlich leuchtete. Den unnachahmlichen Geschmack dieses außergewöhnlichen Likörs kann ich nicht mit Worten beschreiben. Ich kann nur jedem Genießer, der kein Problem mit Zucker hat, dazu raten, hier selbst einmal in der eigenen Hausbar zu experimentieren. Echt lecker! Kleiner Tipp: In Deutschland gibt es den Likör „Parfait d’Amour“ von unterschiedlichen Herstellern. Und wer es ganz und gar spanisch will, holt sich gleich noch den Klassiker „43“ (Cuarenta y Très, ein himmlischer Kräuterlikör in klar strahlendem Gelb) mit dazu. Das hat dann allerdings endgültig nichts mehr mit Diät zu tun.

Spanien hat dem anspruchsvollen Genießer so viel mehr zu bieten als nur die übliche Paella. Da lohnt es sich wirklich, den verwöhnten Gaumen mal Gassi zu führen.

Ach, übrigens: Mit meiner liebenswürdigen Gastfamilie verbindet mich auch heute noch ein festes freundschaftliches Band. Eviva España!

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