Berufliche Neuorientierung mit 50+

Die Zeiten, in denen man in seinem Ausbildungsbetrieb ununterbrochen bis zur Rente durchgearbeitet hat, um anschließend auf dem werkseigenen Friedhof zur letzten Ruhe gebettet zu werden, sind längst Geschichte. Heute muss man sich als Mensch, der seine Arbeitskraft offensiv zu Markte trägt, pausenlos frisch bewähren, kraftvoll behaupten und kreativ neu erfinden. Genau diese Phantasie und Flexibilität scheinen handelsübliche Personaler der stetig wachsenden Generation 50+ leider abzusprechen. Anders kann es nicht erklärt werden, dass lebenserfahrene und erfahrungsgereifte Persönlichkeiten, die neue berufliche Herausforderungen suchen, es in Sachen Bewerbung und erwerbstätiger Neuorientierung so schwer haben. Doch die gestandenen Männer und Frauen um oder jenseits der 50 lassen sich heutzutage die Butter nicht mehr so einfach vom Brot nehmen. Ganz im Gegenteil. Unternehmungslustige Silverworker starten jetzt so kraftvoll durch, dass dem jungen Gemüse der Milchreis um die noch nicht ganz trockenen Ohren fliegt.

Gefeuert!

Der unvergleichliche Udo Jürgens brachte es 1977 in seinem schmissigen Hit „Gefeuert“ direkt auf den Punkt: Wer an Lebensjahren zum „alten Eisen“ gerechnet wird, braucht sich als wiedergeborener Arbeitssuchender keine allzu großen Chancen mehr auszurechnen. Wenn der Chef also ein vertrauliches Gespräch unter vier Augen mit den Worten „Wie lange arbeiten Sie denn schon für uns, morgen nicht mehr mitgerechnet?“ beginnt, dann muss man als altgedienter Recke diesen Schock erst einmal verdauen. Und dann ist die grundsätzliche Frage zu beantworten, ob man sich erneut ins Haifischbecken des ersten Arbeitsmarktes stürzen will, oder ob ein Schritt in die unternehmerisch selbstständige Freiheit eine Aussicht auf Erfolg böte. Beides ist sehr gut möglich, wenn man sich entsprechend wappnet und das eigene Selbstwertgefühl hoch hält. Und beides kann eine mehr als befreiende Gelegenheit dazu bieten, den eigenen Lebensentwurf und das eigene Selbstverständnis neu zu überdenken.

Ein Fallbeispiel

Manfred war lange Jahre bei einem Computerladen im Vertrieb tätig. Er war bei seinen Kunden beliebt und wurde von seinen Kollegen geschätzt. Doch auch hier kam letztlich die Wirtschaftskrise an, und der Umsatzkuchen schrumpfte bedenklich. Plötzlich wurde der Wind im Betrieb rauer und die Ellenbogen härter. Und Manfred als dem an Jahren ältesten Vertriebler wurde es mehr als dringend nahe gelegt, sich ab dem nächsten Ersten nach einer anderen Arbeit umzusehen.

Natürlich war Manfred augenblicklich total am Boden zerstört. Seiner Perspektiven und Hoffnungen als abgesicherter Angestellter beraubt, flüchtete er sich in seiner Verzweiflung zunächst in sein Hobby: Planung, Organisation und Installation von möglichst drahtloser „state of the art“ Unterhaltungstechnik und Unterhaltungstechnologie in den eigenen vier Wänden als hauseigenes Multifunktions-Netzwerk. Viele Besucher zeigten sich von Manfreds exklusiven privaten häuslichen IT-Lösungen begeistert. Und so dauerte es nicht lange, bis man ihn bat, gegen eine angemessene Bezahlung seine Dienste auch anderen Film-, Spiele- und Musikliebhabern für deren WLAN Wohnungsgestaltung zur Verfügung zu stellen. Da hat es bei Manfred „klick“ gemacht. Heute übt er sein ehemaliges Hobby als freien Beruf aus und kann sich vor Aufträgen kaum retten. Denn zum einen wissen seine Kunden nur Gutes von ihm zu berichten und empfehlen ihn deshalb gerne uneingeschränkt weiter. Und zum anderen hat er mit seinem Angebot eine bislang unbesetzte Dienstleistungsnische entdeckt, in der er mit seinem Wissen und seiner langjährigen Erfahrung ebenso einsam wie konkurrenzlos agieren kann. Heute sagt Manfred, dass der Rausschmiss das Beste war, was ihm jemals in seinem Berufsleben passiert ist.

Fazit

Wer sich seiner Stärken und seiner Fähigkeiten bewusst ist, und wer es versteht, mit den Pfunden erfolgreich gelebten Lebens und gelungenen Wirkens zu wuchern, dem stehen auch in der zweiten Lebenshälfte zahlreiche Türen in eine spannende Berufswelt offen. Denn unreflektierter Jugendwahn ist definitiv mega-out. Das kann übrigens auch in vielen spannenden und professionell recherchierten Ratgebern nachvollzogen werden, die der Buchhandel in reichhaltiger Auswahl anbietet.

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