Unternehmerportrait: Der Trigema Chef Wolfgang Grupp im Portrait

Arbeitsplatzsicherung als oberstes Firmenziel, keine Verlagerung ins Ausland, Lokalisierung statt Globalisierung, nicht des Profits wegen mit dem Strom schwimmen – Die Grundsätze vom Firmeninhaber der Trigema GmbH & Co. KG, Wolfgang Grupp, stoßen in der Fachwelt meist auf Unverständnis und Kopfschütteln. Doch das Konzept des „König von Burladingen“, wie er in der Heimat genannt wird, geht auf! Vollbeschäftigung von 1200 Angestellten auch durch die wirtschaftliche Krise der letzten Jahre hindurch bei einer Eigenkapitalquote von 100% und einem Umsatz von rund 80 Millionen Euro sprechen für sich. Wer ist Wolfgang Grupp und was ist der Schlüssel seines Erfolges?

Kein leichter Start

Als der 1942 in Burladingen geborene Wolfgang Grupp die Firma „Mechanische Trikotwarenfabrik Gebr. Mayer KG“ nach einem Wirtschaftsstudium in Köln 1969 von seinem Vater übernahm, war sie mit über 10 Millionen DM Schulden belastet. Dass er seine Promotion abbrach und stattdessen die bedrohte Firma mit Umstrukturierungen und Produktänderungen auf einen neuen Kurs brachte, brauchte er nicht zu bereuen. Statt unverkäuflicher Herrenunterhemden produzierte er neumodische farbige T-Shirts, bündelte die diversen Sortimentsbereiche der Trikotagen- und Tennisbekleidung und verkürzte den Firmennamen auf ein einprägsames „Trigema“. Innerhalb von sechs Jahren steigerte er den Umsatz um 50 Millionen DM und befreite das Unternehmen von jeglichen Schulden. Als seine Hauptabnehmer, die Discounter und Ladenketten, niedrigere Preise verlangten, die nur durch Billigproduktion im Ausland zu leisten gewesen wären, verzichtete auf diesen Vertriebszweig und baute mit 46 Outlet-Stores (Testgeschäfte genannt) und einem Internet-Shop neue Vertriebswege auf. Konkurrenten schütteln den Kopf über Wolfgang Grupp, der den Unternehmenserfolg nicht am finanziellen Profit misst, sondern am Erhalt der Arbeitsplätze.

Den eigenen Weg gehen

Wenn Wolfgang Grupp auf der Trigema-Homepage heute von einer Produktion von 20.000 – 40.000 Kleidungsstücken täglich spricht, die mit 78%iger Wertschöpfung ausschließlich an heimatlichen Standorten mit einheimischen Mitarbeitern hergestellt werden, dann tut er das mit Stolz. Er weiß um seine Leistung. Er weiß um das Interesse der Öffentlichkeit an sich und seinem unternehmerischen Konzept und er genießt es. Selbstbewusst und mit einer Haltung, die ihm den Spitznamen „König von Burladingen“ eingebracht hat, verteidigt er seinen patriarchischen Führungsstil voller schwäbischer Sparsamkeit, mit gradliniger Verwaltung ohne eigenes Chefbüro und ohne großen PR-Glamour mit ewig gleichem Schimpansen-Werbespot. Der König regiert seine Untertanen mit strenger Hand – aber er sorgt auch gut für sie. Betriebsbedingte Kündigungen gibt es nicht, den Kindern seiner Angestellten bietet er eine Ausbildungsplatz- und Arbeitsgarantie und wer in finanzielle Not gerät, kann sich an die Wolfgang und Elisabeth Grupp Stiftung wenden.

Das Ansehen genießen

Elisabeth ist seit 1988 seine Ehefrau, mit der er zwei Kinder hat. Die wesentlich jüngere geborene Baroness von Holleuffer aus der Steiermark gab nach der Hochzeit ihr Medizinstudium auf und arbeitet an einem Schreibtisch in der Verwaltung von Trigema. Wolfgang Grupp will sicher stellen, dass die Firma im Falle eines Falles fest in Familienhand bliebe und er geht davon aus, dass später eines seiner Kinder in seine Fußstapfen treten wird – ganz, wie es sich für eine Monarchie gehört. Der private Lebensstil der Familie Grupp ist nicht unumstritten. Die große Villa des passionierten Jägers hinter den weißen Mauern mit Butler, Chauffeur und privater Kapelle stehen in großem Kontrast zur Sparsamkeit in der Firma. Und wenn die große Trigema-Familie gemeinsam Betriebsfeste feiert und auch zu allen großen Feiern der Grupp-Familie selbstverständlich eingeladen wird, dann ist es ein bisschen, als wenn Hof gehalten wird im schwäbischen Königreich zu Burladingen.

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2 Gedanken zu „Unternehmerportrait: Der Trigema Chef Wolfgang Grupp im Portrait

  1. Füger,Ingeborg

    Sehr geehrter Herr Grupp,sehr geehrte Damen und Herren,wir wir haben einen Kurzurlaub an der Saar gemacht ,und haben dort Ihre Filiale in Mettlach besucht..Dazu möchten wir ein großes Lob aussprechen.Das Personal war sowas von zuvorkommend und hilfsbereit bei der Suchen nach den von uns gewünschten Artikeln.Es fiel uns besonders positiv auf,daß nirgends Ware herumlag,welche die Kunden rausgelegt hatten.Alles wurde vom Pesonal sofort wieder richtig einsortiert.Dies erleichtert sehr die Suche nach der richtigen Größe!Alles in Allem ein vorbildlich geführtes Geschäft.Freundliche Grüße I.Füger aus Tübingen

  2. Ammann,Horst

    Betreff:
    Interview im BR vom 20.5.2012

    Sehr geehrter Herr Grupp,

    es ist mir nach Ihren klaren, kompetenten und vertrauenswürdigen Worten zum Menschen und Unternehmer Grupp, tugendhaft und mit klarem Charakter, ein Bedürfnis, Ihnen für Ihre Haltung meinen Respekt und Anerkennung auszusprechen. Schade, dass eine Kultur wie die Ihrige, in Wirtschaft und Politik, in allergrößtem Umfang leider längst dahinging und wir uns heute überwiegend mit Größenwahn, Gier, Schulden und maßlosen Ungerechtigkeiten zu befassen haben. Sie und ich können es trotz unserer vernunftsbetonten Einstellung nicht ändern, dennoch ist es richtig und wichtig, für sich und für diejenigen, für die man Verantwortung trägt, eine klare Position
    mit Werten und Anstand im Laufe des Lebens entwickelt zu haben.
    Ihnen, Ihrer Familie und Ihrer Firma gelten meine besten Wünsche.

    mfg
    Horst Ammann aus Stuttgart

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