Currywurst-Steuer: Fiskale Wegelagerei am Imbissstand

Als Liebhaberin leckerer Meeresfrüchte gehe ich gerne und regelmäßig Fisch essen. Im Rahmen dieses schmackhaften Rituals besuche ich stets eine bestimmte Filiale einer alt eingesessenen Imbiss-Kette, die sich gastronomisch auf Fisch und Meer spezialisiert hat. Dort kennt man mich, dort bin ich gern. Doch was mir die nette Dame hinter der Theke heute zwangsweise servieren musste, hätte mir um ein Haar den guten Appetit verhagelt. Das lag allerdings nicht an dem köstlichen und wie immer höchst appetitlichen Räucherheilbutt, der einmal mehr auf meinem Teller landete, sondern an einem neuen Geistesblitz der deutschen Steuertüftler. Denn die haben mal wieder einen Weg gefunden, mir (und damit allen anderen kleinen Männern und kleinen Frauen von der Straße) gänzlich ohne Gegenleistung und völlig ungeniert gutes Geld aus der Tasche zu ziehen. Wer nun wissen will, warum ich mir meine wöchentliche Fischration ab sofort nur noch als „to go“ leisten mag, der sollte, durchaus auch im eigenen finanziellen Interesse, jetzt unbedingt weiter lesen – und später dann den Kopf über eine neue Variante staatlichen Raubrittertums schütteln.

Abenteuer im Märchensteuerland

Die Mehrwertsteuer hat bekanntlich nur eine einzige Aufgabe: Ohne den Erhalt eines Gegenwertes dem Endkunden – also so gut wie jedem Bundesbürger – die Taschen zu leeren, um das sauer verdiente Geld dem löchrigen Staatssäckel zu dessen freier Verfügung zufließen zu lassen. Aber es geht durchaus noch deutlich bürokratendeutscher, denn: Unterschiedliche Steuersätze sorgen in Sachen Mehrwertsteuer nicht nur beim Verbraucher für Verwirrung. So ist es vor dem Auge des Steuergesetzes ein gewaltiger Unterschied, ob ich mir mein Stück geräuchertes Heilbuttfilet für die Mitnahme und den Verzehr zu Hause einpacken lasse, oder ob ich exakt dasselbe Stück Fisch dort direkt am Imbissstand verzehre. Nehme ich das Stück Fisch nach Hause mit, habe ich nämlich ein Lebensmittel eingekauft; ermäßigter Steuersatz von derzeit sieben Prozent. Esse ich den Fisch aber gleich dort vor Ort auf, so habe ich mir eine gastrorelevante Mahlzeit gekauft; voller Steuersatz von derzeit 19 Prozent. So entscheidet allein der Ort, an dem ich meinen Imbiss verputze, darüber, wie viel Mehrwertsteuer der Imbissbetreiber dafür von mir einkassieren muss. Absurdistan lässt heftig grüßen.

Bislang haben es die Steuereintreiber wohl hier und da mit der allzu gestrengen Anwendung dieses komplett konfusen Paragraphengeklingels nicht allzu genau genommen. Wer wollte auch schon Buch darüber führen, in welchem Abstand zum Verkaufstresen jemand in sein Fischbrötchen beißt? Doch mit dieser Verschwendung von Staatsgeldern ist jetzt Schluss. Ab sofort sind, jedenfalls da, wo ich wohne, also immerhin in einer ehemaligen Kulturhauptstadt, alle Imbissbetreiber dazu verpflichtet, auf ihren Kassenbons auszuweisen, ob die Zwischenmahlzeit als Mitnahmeartikel oder als „zum hier essen“ über den Tresen geht. Ist letzteres der Fall, wird pauschal ein Euro auf den Rechnungsbetrag aufgeschlagen. Ohne dass irgendjemand außer dem Fiskus da irgendwelchen Nutzen daraus ziehen würde. Das kann selbst einer lukullischen Meerjungfrau wie mir der Appetit voll verschuppen.

Fazit

Da auch für mich das Geld nicht auf den Bäumen wächst (vielleicht hätte ich mich beizeiten für einen Posten als Politiker interessieren sollen), werde ich ab sofort immer dann, wenn der kleine Hunger kommt, meinen Imbiss ausdrücklich als „Food to Go“ ordern. Oder zumindest sehr genau nachfragen, ab wie viel Metern Abstand meine Speise in den Genuss des ermäßigten Märchensteuersatzes kommt. Wahrscheinlich hab ich dann aber schon gar keinen Hunger mehr.

Webtipps:

CURRYWURST-STEUER – Im Stehen sieben Prozent – im Sitzen 19 Prozent
Der Bundesfinanzhof hat die Höhe der Mehrwertsteuer an Imbissbuden neu geregelt. Entscheidend ist die Position, in der gegessen wird.

Imbiss ist nicht gleich Imbiss: Steuer-Kuriositäten in Deutschland

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