Gewährleistung: Lassen Sie sich als Kunde nicht abwimmeln

Jeder von uns musste schon einmal einen neu erworbenen Artikel nach wenigen Tagen oder Wochen wieder zurück bringen, weil er fehlerhaft war. Mussten Sie sich dann solche Phrasen wie „kein Umtausch“, „keine Rücknahme“ oder „keine Reparatur“ anhören? – Das alles widerspricht Ihrem guten Recht. Sie haben als Käufer natürlich Ansprüche, auf denen Sie bestehen sollten. Dies können Sie jedoch nur, wenn sie über Ihre Rechte genau informiert sind. Mit dem Inkrafttreten des neuen Gewährleistungsrechts in Deutschland haben Sie seit 2002 auf alle Gebrauchsgüter eine gesetzliche Gewährleistungsfrist von 24 Monaten. Der Verkäufer haftet dabei für alle Mängel, die schon zum Zeitpunkt des Verkaufs bestanden haben und ebenso für solche, die erst später bemerkt wurden. Die Gewährleistung darf durch den Händler weder eingeschränkt noch ausgeschlossen werden, da sie gesetzlich geregelt ist.

Was müssen Sie nun als Käufer bei der Gewährleistung berücksichtigen? Der Händler ist verpflichtet alle Mängel zu beseitigen, die in den ersten sechs Monaten auftreten, da davon ausgegangen wird, dass der Schaden bereits beim Kauf vorhanden war. Sie müssen also dem Händler nicht beweisen, wie der Defekt an Ihrem Gerät zustande kam. Bei einer Digitalkamera beispielsweise, die nach zwei Monaten kaputt geht, greift die gesetzliche Gewährleistung. Grundsätzlich haben Sie dabei als Käufer folgende Möglichkeiten: Sie können Nacherfüllung (Nachbesserung oder Ersatzlieferung) verlangen, von dem Vertrag zurücktreten, den Kaufpreis mindern oder Schadensersatz wegen vergeblicher Aufwendungen verlangen.

Das klingt alles sehr schön, sieht aber in der Realität ein bisschen anders aus. In der Regel behält sich jeder Verkäufer zunächst das Recht auf Nachbesserung vor. Falls aber nach zwei Nachbesserungsversuchen der Mangel nicht behoben werden kann, dürfen Sie entweder den Kaufpreis mindern oder vom Kaufvertrag zurücktreten. Gewährleistungsansprüche sind also immer gegenüber dem Verkäufer geltend zu machen, nicht gegenüber dem Hersteller. Lassen Sie sich daher nicht an den Hersteller verweisen, wenn Sie beispielsweise eine Digitalkamera in einem Shop X gekauft haben. Was Sie unbedingt wissen sollten: Durch die Nachbesserung oder Nachlieferung beginnt die Gewährleistungsfrist nicht von vorne, sondern es verlängert sich lediglich die Verjährung der Anspruchstellung um die Zeit, in der das Gerät in Reparatur war.

Nach den ersten sechs Monaten wird es schwieriger die Gewährleistung in Anspruch zu nehmen, da die so genannte Beweislastumkehr in Kraft tritt. Der Kunde muss jetzt dem Händler beweisen, dass die Ware schon zur Kaufzeit fehlerhaft war. In diesem Fall sollten Sie zunächst versuchen, mit dem Verkäufer zu verhandeln. Wenn dieser sich weigert, die Gewährleistung zu erbringen, kann ein Gutachter eingeschaltet werden, der dann die Mängel des Produkts genauer unter die Lupe nimmt. Hier trägt jedoch der Kunde das Kostenrisiko. Ist der Händler nicht zu überzeugen und können keine Nachweise erbracht werden, empfiehlt es sich, die Herstellergarantie in Anspruch zu nehmen. Diese darf mit der Gewährleistung nicht verwechselt werden. Die Garantie ist eine zusätzliche und freiwillige Leistung des Herstellers. Sie ist also nicht gesetzlich festgeschrieben. Der Hersteller kann deshalb über den Umfang und die Dauer der Garantiebedingungen nach eigenem Ermessen entscheiden. Wie sich das im Einzelnen zusammensetzt, können Sie dem Garantieschein entnehmen. Ein rechtlicher Anspruch kann bei der Garantie nur geltend gemacht werden, wenn dieser schriftlich erfolgt. Die Garantie ersetzt also nicht die gesetzlich vorgeschriebene Gewährleistung. Sie hat aber den Vorteil, dass sie meist auch Schäden einschließt, die erst nach dem Kauf aufgetreten sind. Das ist sehr hilfreich, da Sie sich nach Ablauf der ersten sechs Monate der Gewährleistungsfrist direkt an den Hersteller wenden können, anstatt dem Händler beweisen zu müssen, dass der Mangel bereits bei der Übergabe des Kaufgegenstandes vorlag.

Bevor Sie im Internet bei einem Preisvergleich einkaufen, achten Sie auf die Händlerbewertungen.

Lena Knake

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