Neue Software zur Fehlererkennung: Stresstest für Web 2.0 Anwendungen

Web 2.0 Anwendungen wie Google Mail, Facebook oder Twitter und Kollegen bieten vielfältige Möglichkeiten für Unternehmen mit ihren Kunden und solchen, die es werden sollen in Kontakt zu treten und diese rundum auf dem Laufenden zu halten. Wo aber viele Menschen Zugriff haben, entstehen auch immer wieder Sicherheitslücken, die zum Risiko für die Anwender werden können. Neben möglichen Sicherheitsrisiken kann es auch durchaus passieren, dass Web-Anwendungen nicht mit allen Komponenten des Browsers kompatibel sind und der potentielle Kunde vergrault wird, noch bevor er die Gelegenheit hatte, die Inhalte des Unternehmens einzusehen. Derartige Probleme sollen nun mit der Entwicklung einer neuen Software gelöst werden.

Informatiker arbeiten an automatischen Lösungen

Immer wieder schleichen sich Fehlfunktionen und Sicherheitslücken in moderne Web 2.0 Anwendungen. Bislang mangelt es aber an kostengünstigen und systematischen Verfahren potentielle Probleme in den Anwendungen aufzufinden und zu beseitigen. Auf der Cebit 2012 präsentieren Informatiker der Universität des Saarlandes zum ersten Mal eine Software, die mit automatischen Test-Methoden die Webanwendungen selbstständig überprüft. Die Verfahren sollen auch bei komplexen Web-2.0-Anwendungen zum Einsatz kommen.

Mängel in der Qualitätssicherung von Web-Anwendungen

Dr. Valentin Dallmeier arbeitet als Informatiker am Lehrstuhl für Softwaretechnik an der Universität des Saarlandes. Zusammen mit seinem Team entwickelt er bereits seit längerem Lösungen, die das automatische Auffinden von Programmierfehlern bei Anwendungen gewährleisten. Bei klassischen Computerprogrammen funktionieren die Systeme bereits sehr gut, doch bezeichnet der Informatiker den Umgang mit webbasierten Anwendungen in dieser Hinsicht als ineffizient und ineffektiv. Die Entwicklung einer neuen Software soll nun Abhilfe schaffen.

Neue Software soll für mehr Sicherheit sorgen

Webanwendungen werden nicht auf dem eigenen Rechner installiert, sondern laufen zentral auf einem Server. Bedient werden solche Programme bequem über den Internet-Browser des Anwenders. Neuere Techniken der Programmierung, wie beispielsweise AJAX, sorgen dafür, dass eine meist reibungslose und schnelle Bedienung der Anwendungen möglich wird. Kurzum werden die Webanwendungen immer leistungsstärker und immer mehr Unternehmen und auch öffentliche Behörden setzen auf Lösungen, die dem Nutzer umgehend online zur Verfügung stehen. Einerseits entstehen dadurch Vorteile, wie zum Beispiel, dass der Nutzer die erforderliche Anwendung eben nicht installieren muss, sondern diese sofort online nutzen kann. Während die Anwendungen selbst dabei stetig weiterentwickelt werden, bleibt die Qualitätssicherung aber weitgehend auf der Strecke. „Die [Qualitätssicherung] geschieht immer noch per Hand und verursacht dadurch nicht nur sehr hohe Kosten, sondern auch enorme Risiken für Unternehmen und die Gesellschaft“, erklärt Dallmeiers Kollege Dr. Martin Burger und weist exemplarisch auf eine Meldung aus dem Dezember letzten Jahres hin, bei der aufgrund eines Programmierfehlers sensible Facebook-Daten frei zugänglich wurden. Die Softwarelösung „Webmate“ soll künftig genau solche Probleme verhindern.

Der Webmate wird zur neuen Dienstleistung

Die Webmate Software soll schnell, einfach und effektiv funktionieren. Die Unternehmen beziehungsweise deren Web-Entwickler sollen künftig einfach die Web-Adresse ihrer Anwendung eingeben und die neue Software prüft dann vollautomatisch auf Programmierfehler und mögliche Schwachstellen. Der Webmate wird dann selbstständig erkunden, welche Komponenten zusammenspielen und welche Menüs oder Bedienelemente von den Anwendern genutzt werden. Im Anschluss generiert die Software verschiedene Testfälle, bei der sie die alltägliche Nutzung simuliert. Alle Fehler, welche die Software feststellen konnte, werden dokumentiert und dem Web-Entwickler gemeldet. Während des Vorgangs können komplexe Programmierfehler ebenso aufgedeckt werden, wie einfache Kompatibilitätskonflikte mit dem Browser, eine nicht vorhandene Datenbank, nicht reagierende Server oder schlicht auch fehlende Links.

Software-Lösung mit riesigem Potential

„Wir haben am Lehrstuhl in den vergangenen drei Jahren die grundlegende Vorarbeit geleistet und einzelne Machbarkeitsstudien durchgeführt“, erklärt Projektleiter Dallmeier und ist zuversichtlich, dass die neue Software ihr großes Potential am Markt auch ausschöpfen wird. Entsprechend werden die Forscher ein eigenes Unternehmen für die Software gründen und diese künftig als kostenpflichtige Dienstleistung an Unternehmen anbieten. Die Gründung soll in den nächsten Monaten erfolgen. Auf der Cebit werden die Informatiker übrigens am Stand F34 in Halle 26 zu finden sein.

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