Gesunde Lebensmittel – Das große Geschäft mit Bio

Vor gar nicht allzu langer Zeit noch hatte „Bio“ das Image von Birkenstockpantoffeln, Wolljacken oder Meditationsseminaren und die jeweiligen Produkte wurden eher sehr unprofessionell präsentiert bzw. beworben. Heute ist das anders: Gesunde Lebensmittel sind wettbewerbsfähig geworden und so entstand ein internationaler Millionen- Markt.

Ein langer Weg

Die biologische Landwirtschaft hat einen langen Weg hinter sich: In den 60-er Jahren stemmten sich die Pioniere noch gegen die aufkommende Industrialisierung der Nahrungsmittelindustrie und wollten z.B. den großflächigen Einsatz von Pestiziden oder Massentierhaltung verhindern. In dieser Zeit hatte die Szene einen gewissen alternativen Touch und man war antikapitalistisch eingestellt. Bald darauf richteten die ersten Bauern kleine Läden auf ihren Höfen ein – somit war der Bioladen geboren.

In den Siebzigern eröffneten dann findige Stadtmenschen Bioläden in Ballungszentren, um den Einkaufsprozess zu vereinfachen. Nun wuchs die Szene vorerst langsam, aber nachhaltig. Ende der Neunziger stiegen die Lebensmittelketten mit ersten eigenen Marken in den Markt mit ein und wenig später entdeckten auch die Discounter das Geschäft mit Bio.

Der Bio-Markt – Jeder braucht jeden

Heutzutage steht Bio genau für das, was die Pioniere der Szene so verachtet haben: Einen Mega-Markt, der weiterhin boomt. Laut Marktforschern sollen allein in Europa jährlich rund 500 Millionen Euro umsetzbar sein – fast noch einmal soviel wie in den USA. In Österreich – Europas Bio-Land Nr. 1 – bewirtschaften mehr als 20.000 Landwirte ihren Grund und Boden bereits biologisch. Der Umsatz im Einzelhandel stieg in den letzten Jahren um mehr als 70 Prozent. Da ist es auch kein Wunder, dass in manchen Alpentälern Goldgräberstimmung herrscht.

Als sich vor einigen Jahren die großen Handelsketten für Bio zu interessieren begonnen haben, waren viele Kleinproduzenten skeptisch. Heute werden die meisten Biobauern von Organisationen vertreten, die durch ihre Größe ein starkes Verhandlungsmandat besitzen. Ohne den Einzelhandel geht es nicht mehr – eben genannter trägt mehr als 50 Prozent des Booms. Was liegt also näher, als eine konstruktive Partnerschaft anzustreben.

Die Kehrseite

Natürlich berichten die Medien immer wieder von schwarzen Schafen, denn nicht überall wo Bio drauf steht, ist es auch drinnen. Außerdem muss die wachsende Nachfrage auch befriedigt werden. Immer häufiger importiert man deshalb Bio-Produkte aus dem Ausland – teilweise sogar tiefgekühlt mit dem Flugzeug. Damit ist die Öko- Bilanz natürlich sofort wieder beim Teufel. Wenn große Plantagen in Asien oder Lateinamerika auf Bio umgestellt werden, ist von fairem Handel bzw. gerechten Arbeitsbedingungen noch lange nicht die Rede. Grundsätzlich ist biologischer Anbau immer umweltschonender als konventioneller, aber letztlich sollten die Produkte regional und saisonal angeboten werden. Organisationen wie Global 2000 führen bereits seit Jahren intensive Studien zur biologischen Landwirtschaft durch und kontrollieren auch das regionale Angebot.

Wer kauft schon gerne den Bio-Knoblauch aus China, wenn der vom Bauern um die Ecke gerade frisch zu haben wäre?

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