Dissoziative Störungen – Was bedeutet das?

Bei depressiven Menschen oder anderweitig psychisch Beeinträchtigten sind als Begleiterscheinung oft dissoziative Störungen zu beobachten. Zu den dissoziativen Störungen zählen zahlreiche verschiedene Arten der Abspaltung von der eigenen Psyche.

Formen von dissoziativen Störungen

Oftmals empfinden die Betroffenen sich selbst, ihren Körper oder die Umwelt völlig anders als sie wirklich sind. Nicht selten kommt es vor, dass der Erkrankte natürliche Bedürfnisse wie Essen und Trinken oder Gefühle wie Fröhlichkeit, Trauer oder Verzweiflung nicht mehr wahrnimmt.

Die häufigste Art der dissoziativen Störungen ist die posttraumatische Belastungsstörung, welche als Folge eines oder mehrerer Traumata auftritt. Wer unter einer solchen posttraumatischen Belastungserkrankung leidet, wird häufig von Albträumen und Schlaflosigkeit geplagt und erlebt immer wieder sogenannte Flashbacks. Bei einem Flashback werden traumatische Erlebnisse aus der Vergangenheit praktisch wieder erlebt – der Erkrankte sieht die Situationen vor seinem inneren Auge noch einmal komplett ablaufen und empfindet die Gefühle dieser längst vergangenen Situation noch einmal nach, was meistens in Schockreaktionen wie Panikattacken, Zittern oder Weinkrämpfen endet.

Weitere Formen der dissoziativen Störung sind die Depersonalisation und die Derealisation. Der Begriff Depersonalisation beschreibt das Gefühl der Entfremdung des eigenen Körpers. Nicht nur die eigene Persönlichkeit, sondern auch das Fühlen, Denken und Sprechen fühlt sich völlig anders an und kommt dem Erkrankten fremd und unwirklich vor. Es fühlt sich an, als würden die Gefühle, Gedanken und das eigene Verhalten nicht zum Körper gehören. Ursachen sind häufig traumatisierende Erlebnisse wie körperlicher oder psychischer Missbrauch in der Kindheit.

Unter Derealisation versteht man die Verfremdung der Umwelt, wobei Gegenstände und andere Menschen unvertraut scheinen. Oftmals werden Dinge in der Umwelt als unwirklich, farblos oder zu klein beziehungsweise zu groß empfunden. Durch eine solche Störung fällt es dem Betroffenen schwer, sich in die Umwelt und die Gesellschaft zu integrieren und Anschluss zu finden.

Bei Kindern kommt es oft vor, dass sie versuchen, vor dem Trauma zu fliehen. Sie verdrängen die Geschehnisse (z.B. sexuellen Missbrauch) so weit, dass sie später fast nichts mehr davon wissen. Diese Abwehrreaktion ist zwar in diesem Falle gut und dient zum eigenen Schutz, allerdings ist es wichtig, die traumatisierenden Ereignisse zu verarbeiten. Aus diesem Verhalten folgt in einigen Fällen eine sogenannte dissoziative Amnesie (wichtige Erinnerungen fehlen teilweise oder komplett). Ebenso resultieren aus traumatischen Erfahrungen psychosomatische Störungen oder die Überempfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen sowie ein irreales Zeitgefühl.

Als letztes wäre die dissoziative Identitätsstörung anzuführen: Eine solche multiple Persönlichkeitsstörung beschreibt das Spalten der Persönlichkeit in mehrere (Teil-) Charaktere, darf aber keinesfalls mit Schizophrenie verwechselt werden.

Behandlung

Dissoziative Störungen können mit Hilfe unterschiedlicher Therapieformen behandelt werden. Posttraumatische Belastungsstörungen werden häufig sowohl medikamentös als auch mit einer ambulanten oder stationären Traumatherapie behandelt. Je nach Schwere der Erkrankung dauert die Genesung des Patienten unterschiedlich lang. Im Falle der Depersonalisation und der Derealisation ist es wichtig, sich mit der Grunderkrankung auseinanderzusetzen, da beide aus dieser entstehen.

Bei psychosomatischen Dissoziationen ist ein stationärer Aufenthalt in einer Klink, die auf Psychosomatik spezialisiert ist, empfehlenswert. Dort werden die eigenen Probleme Schritt für Schritt verarbeitet.

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